Plantronics BackBeat Pro, mal wieder neue Kopfhörer im Test

Und wieder zugeschlagen! Um meine Sennheiser In-Ear und beyerdynamic DT-990 Pro zu ersetzen, habe ich mir jetzt Plantronics BackBeat Pro angeschafft.

Plantronics BackBeat Pro von hinten

Die letzten Wochen hat mich das Kabelchaos von gewöhnlichen Kopfhörern nur noch genervt: Sennheiser verbaut grundsätzlich sehr kurze Kabel und die von beyerdynamic verbauten Kabel sind sehr schwer. Also auf ins 21. Jahrhundert und her mit Bluetooth 4.0. Mit 24 Stunden Dauerbetrieb bei einer Akkuladung wissen die neuen von Plantronics gleich zu beeindrucken. Außerdem dabei: Active Noise Cancellation: Damit sollen Umgebungsgeräusche durch destruktive Interferenz ausgeblendet werden. Dazu später mehr.

Bisher stellte Plantronics aus Kalifornien eigentlich Headsets für Office, Spiele oder Kommunikation im Allgemeinen her und das schon seit 1961. So war das erste Model von Plantronics 1962 der Standard für NASA-Astronauten und auch Neil Armstrongs berühmte Worte wurden von einem Headset dieses Herstellers aufgenommen. Die BackBeat Pro sind jedoch das erste klassische Kopfhörermodell speziell für den Musikgenuss.
#Features
Auf der technischen Seite freue ich mich nicht nur über die lange Akkulaufzeit, sondern auch darüber, dass ich zwei Geräte gleichzeitig verbinden kann, spart viel Zeit beim Wechsel von Notebook auf Smartphone. Beendet ein Gerät seinen Audio-Stream so wird automatisch vom Anderen übertragen. Für das Erstsetup unter Android wird ein Pairing via NFC angeboten. Ich als Apple-Mensch darf mich durch meine Menüs auf iPhone und Mac klicken.

Die Active Noice Cancellation ist natürlich eine feine Sache und funktioniert bei diesen Kopfhörern zumindest ein bisschen. Da gibt es zwar klar bessere Produkte von Bose. Doch konkret kann der Filter sehr gut mit tiefen Geräuschen umgehen oder leise Geräusche aus der Ferne aufheben. Für die eigenen Tippgeräusche reicht es dann leider schon nicht mehr. Dieses Feature ist folglich nur eine nette Ergänzung. Dennoch habe ich ANC permanent an, denn beim Sprechen reduziert es maßgeblich das Geräusch, das ich durch meinen Unterkiefer von mir selbst höre. Man hört sich nicht zweimal wie, z.B. wenn man mit In-Ear-Kopfhörern telefoniert.

Spannend ist auch das „Gimmick“ Open-Mic. Per Schalter aktiviert, wird das eingebaute Mikrofon verwendet um die Umgebungsgeräusche zu verstärken. Macht einen automatisch zum Abhörmeister, dient aber eigentlich dem Zweck, dass man die Kopfhörer nie abnehmen muss, wenn man jemandem spontan zuhören möchte.

Das automatische Pausieren bei Abnehmen des Kopfhörers funktioniert sehr gut. Setzt man ihn wieder auf, so wird die Wiedergabe fortgesetzt. Außer der Bluetooth-Sender ist bis dahin schon in den Ruhemodus gegangen. Einen Mac oder ein iPhone vermag der Kopfhörer so aber auch aus dem Tiefschlaf aufzuwecken.

#Bedienung
Die Bedienung erfolgt einfach durch Tasten auf den Ohrmuscheln. Auf der rechten Seite findet man eine Taste zum Annehmen von Anrufen. Dreht man an der Ohrmuschel – die hat da natürlich ein Rad – kann man die Lautstärke einstellen.

Mit der rechten Ohrmuschel kann man Musik starten oder pausieren. Durch drehen an der Ohrmuschel, kann man vor oder zurück spulen oder skippen.

Plantronics BackBeat Pro von der Seite

#Klang
Da ich meine beyerdynamic Kopfhörer noch immer besitze, kann ich einen direkten, subjektiven Hörvergleich wagen.

Die beyerdynamic DT-990 Pro sind deutlich ausgeglichener als die Plantronics BackBeat Pro. Dafür können die Plantronics mit einem heute üblichen, starken Bass glänzen. Für den Preis und Bluetooth ist das Hörvergnügen sehr groß. Aber wie beeinflusst denn Bluetooth nun die Qualität?

##A2DP
Mittlerweile Standard sollte bei einem Bluetooth Headset die Unterstützung des A2DP-Codec-Paketes sein. Damit kann Musik direkt im AAC oder MP3-Format übertragen werden – sprich es findet keine „Bluetooth-Komprimierung“ statt, die man gerne Bluetooth-Geräten vorwürft. Allerdings muss das vom Sender auch unterstützt werden. Dies ist jedoch bei eigentlich jedem gängigen Betriebssystem heute der Fall. Eine historische Auflistung findet sich hier in der Wikipedia.

###APTX
Noch interessanter ist dann das Vorhandensein des kommerziellen aptX-Standards, der z.B. höhere Bandbreiten und eine geringere Latenz ermöglicht. In der Realität scheitert man hier jedoch oft an der Implementierung beim Sender. So unterstützt z.B. OS X aptX, iOS jedoch nicht. Im direkten Hörvergleich konnte ich bei ein und derselben Datei von iPhone oder Mac aus jedoch keinen Unterschied hören und das obwohl die Datei eine AAC-Datei war, was für dieses Headset Voraussetzung für die Aktivierung von aptX ist. Ganz schön kompliziert nicht wahr?

Mit der richtigen Technik gibt es also gerade bei komprimierter Musik keine Gründe von einem Bluetooth-Kopfhörer zurückzuschrecken.

#Komfort
Erstmal handelt es sich beim Plantronics BackBeat Pro um ein echtes Schwergewicht, das 340 Gramm auf die Wage bringt. Ob das dem ausdauernden Akku oder der stabilen Konstruktion geschuldet ist, spielt keine Rolle. Es handelt sich dabei zum Glück um kein KO-Kriterium, denn ich konnte keinen negativen Einfluss auf den Tragekomfort feststellen. Mein Rekord mit diesem Kopfhörer liegt aktuell bei 4 Stunden Dauernutzung. Nimmt man es ab, können die Ohrmuscheln umgeklappt werden, so dass es Flach auf dem Oberkörper aufliegt. Natürlich kann man die Länge der Bügel in vielen Stufen einstellen.

Die Ohrmuscheln sind im Vergleich zu Studio-Kopfhörern etwas kleiner, drücken aber nicht unangenehm auf den Kopf.

#Verarbeitung
Das ganze wird präsentiert in einem reinen Kunststoffgehäuse, mit mattem Finish. Es wirkt recht kratzresistent und sieht nicht billig aus. Im Grunde sieht der Kopfhörer einfach wie ein normaler Kopfhörer aus und fällt damit in keinem Fall negativ auf. Die Ohrmuscheln sind sehr gut gepolstert und fühlen sich wie oben beschrieben auch gut an.

#Fazit
Die Plantronics BackBeat Pro sind ein Spitzengerät für einen guten Preis! Sicher kein Mode-Accessoire wie z.B. die Konkurrenz von Beats oder Bose, dafür aber mit langer Akkulaufzeit und sehr komfortablen Ohrmuscheln. Außerdem kann manchmal auch ein schlichtes Design überzeugen. Hier schlägt ganz klar der neutrale Anspruch von Plantronics Officegeräten durch. Audiotechnisch bin ich völlig zufrieden. Der Kopfhörer klingt sehr gut für seinen Preis. Mehr kann man unter 400 € vermutlich nicht erwarten und mehr Features bekommt man auch nirgends.

Mittlerweile gibt es auch die Plantronics BackBeat Pro+ mit einem dedizierten USB-Sender, der besonders gute Übertragung garantieren soll und einem schöneren Gehäuse.

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